Bereits in der Sitzung des Rates am 08.10.2019 hat der Rat beschlossen, dem kommunalen Bündnis „Sichere Häfen“ beizutreten und sich der Potsdamer Erklärung angeschlossen. Diese besagt, dass Kommunen „Sichere Häfen“ zusätzlich, über den „Königsteiner Schlüssel“ hinaus Aufnahmeplätze für die hilfebedürftigen Menschen in prekären humanitären Situationen in „Auffanglagern“ anbieten. Die Angebote werden individuell durch die jeweilige Kommune festgelegt.
Der Kempener Stadtrat hat gestern Abend (10.03.2020) in seiner Sitzung mit einer Gegenstimme dem Antrag des AKAM (Arbeitskreis Asyl und Menschenrechte) auf Beitritt der Bielefelder Erklärung der Städte „Sichere Häfen“ und der freiwilligen Aufnahme von zwei unbegleiteten Minderjährigen Geflüchteten zugestimmt. „Zwei“ – das erscheint im Hinblick auf das allabendlich ins Wohnzimmer eindringende Elend lächerlich wenig. In der Begründung wird auf die Stadt Krefeld verwiesen („zehn“) und ein ganzes Bundesland (Schleswig-Holstein 25-30 junge Flüchtlinge). Im Verhältnis dazu erscheint die Begrenzung auf zwei Kinder oder Jugendliche zunächst angemessen.
Im Verhältnis dazu ja, im Verhältnis zu dem allabendlich über die Medien auf uns eindringende Elend sicherlich nein. Doch in diesem Fall ist die Zahl nicht so wichtig wie der positive Beschluss in seiner grundsätzlichen Bedeutung. Mit vielen anderen Kommunen, die sich zu „Sicheren Häfen“ erklärt haben, zeigt Kempen die Bereitschaft angesichts des Elends nicht passiv beiseite zu stehen und die Entscheidungen des Bundes abzuwarten, sondern selbst ein Zeichen zu setzen und den Bund aufzufordern, der Aufnahmebereitschaft der Kommunen zu entsprechen.
Zahlreiche Kommunen und auch Bundesländer in Deutschland haben die gesamteuropäische Verantwortung für die Flüchtlingsunterbringung längst erkannt und angenommen.
Über 140 deutsche Städte haben sich durch Beschlüsse der jeweiligen Räte zu Städten Sicherer Häfen erklärt und wollen zusätzlich geflüchteten Menschen in Not helfen. Aufgrund der Situation in den griechischen Flüchtlingslagern, insbesondere für Frauen, Kinder und unbegleiteten Jugendlichen sind die völlig überfüllten Lager, in denen es an der nötigen Infrastruktur, fehlender medizinischer Versorgung, Nahrung und Schutzräumen fehlt, unhaltbar. Vor allem den Kindern, deren Eltern in vielen Fällen nicht mehr leben und die die in den Flüchtlingslagern auf sich allein gestellt sind, soll nun geholfen werden.
Monika Schütz-Madré
Stadtverordnete
Neuste Artikel
Weltfrauentag
Weltfrauentag: Sprache ist Macht – Gleichberechtigung ist ein wirtschaftlicher Imperativ
Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März betont Ute Straeten, frauenpolitische Sprecherin der GRÜNEN und Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus, dass der Kampf um Gleichberechtigung weit über formale Quoten hinausgeht. Es geht um die Rückeroberung der Sprache als Machtinstrument und die darausresultierenden ökonomischen Konsequenzen. „Sprache ist kein neutrales Abbild der Welt, sie ist ein Werkzeug der…
Verkehrssicherheit
Tempo 30
Die Diskussion um Tempo 30 bewegt Kempen seit Jahren – insbesondere auf Straßen wie der Berliner Allee oder Birkenallee. Die Demokrat*innen im Rat sind sich einig. Es muss endlich Klarheit geschaffen werden. In den vergangenen Debatten wurde deutlich, dass sich die Verwaltung bei ihren Entscheidungen auch auf Rückmeldungen und rechtliche Einschätzungen des Kreises bezieht. Genau…
Fahrradfreundliches Kempen
Unsere Anfrage: Aufhebung der Einbahnregelung für den Radverkehr auf der Straße „An Eulen“
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dellmans, die Straße „An Eulen“ in St. Hubert verbindet die Bahnstraße mit der Brunnenstraße. Aus Fahrtrichtung Bahnstraße ist dieser Weg mit dem Verkehrszeichen 240 StVO als gemeinsamer Geh- und Radweg gekennzeichnet. Die Nutzung durch andere Verkehrs- teilnehmer ist grundsätzlich untersagt. Durch das angebrachte Zusatzzeichen 1020-30 „Anlieger frei“ wird allerdings Anliegern die…
Ähnliche Artikel
Asyl- und Menschenrechte
Unsere Anfrage: Transparenz über Selbstzahler, Kostenkalkulation und Angemessenheit der Gebühren in Übergangswohnheimen
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dellmans, mit dieser Anfrage bittet die Fraktion B´90 / DIE GRÜNEN die Stadtverwaltung um Auskunft zu den in Übergangswohnheimen der Stadt Kempen untergebrachten Selbstzahlern (Personen, die eigenes Einkommen haben und keine laufenden Sozialleistungen nach SGB II, SGB XII, AsylbLG etc. beziehen).Ziel ist es, eine transparente Grundlage für die Bewertung der Rechtmäßigkeit…
Asyl- und Menschenrechte
Antrag: Übernahme einer Patenschaft und Mitfinanzierung eines Seenotrettungsschiffes
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dellmans, die Fraktion BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN stellt zur Sitzung des Sozialausschusses am 25.04.2023 folgenden Antrag: 1. Die Verwaltung prüft, wie eine Patenschaft der Stadt für ein Seenot-Rettungsschiff, das unter deutscher Flagge fährt, übernommen werden kann, gegebenenfalls auch für eine begrenzte Zeit (z.B. von 1 – 2 Jahren). 2. Die Verwaltung prüft, ob…
Asyl
Weltflüchtlingstag
Heute ist Weltflüchtlingstag. Flucht hat viele Ursachen. Krieg, Hunger, Dürren, Gewalt, Verfolgung – noch immer leiden unzählige Menschen weltweit, sehen und haben keine andere Möglichkeit als die Flucht. Laut Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen sind erstmals weltweit mehr als 100 Millionen Menschen auf der Flucht! Wir müssen das humanitäre Elend, das eine Flucht mit sich bringt,…