Weltweit sind mehr 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung. Nach Schätzung des UNO-Hilfswerks für Flüchtlinge UNHCR sind rund die Hälfte von ihnen weiblichen Geschlechts. Frauen auf der Flucht sind stärker als Männer von Gewalt, Ausbeutung und sexueller Belästigung bedroht, sie sind zudem häufig von männlichen Verwandten abhängig und müssen sich oft um mitfliehende Kinder kümmern. Auch die Ursachen der Flucht können geschlechtspezifisch sein, so zum Beispiel wenn sexuelle Gewalt als Kriegswaffe eingesetzt wird.
Etwa 50% der Geflüchteten, die in Deutschland einen Asylantrag stellen, sind Frauen, allerdings mit großen Unterschieden in den Altersgruppen. Zwischen 2012 und 2016 haben laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge über 500.000 Mädchen und Frauen in Deutschland Schutz vor Krieg und Verfolgung gesucht.
Frauen fliehen genau wie Männer aufgrund von weltweiten Menschenrechtsverletzungen wie Armut, Hunger, Krieg, Folter, mangelnder medizinischer Versorgung, Folgen von Umweltzerstörung etc. Sie sind jedoch zudem spezifischer Gewalt ausgesetzt, die eng mit ihrem Körper und ihrer Sexualität verbunden ist. Dazu gehören Vergewaltigungen, Genitalverstümmelungen, Zwangsverheiratung oder Zwangsprostitution, um nur einige zu nennen. Wenn sie in Deutschland ankommen, sind sie oft traumatisiert und suchen Schutz und Sicherheit.
Gewalt gegen Frauen
Die Auflösung sozialer und gesellschaftlicher Strukturen einer Gesellschaft führt zur Zunahme der Gewaltbereitschaft. In vielen Bürgerkriegen gehören systematische Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen zur erklärten Kriegsstrategie. Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, leiden unter psychischen Langzeitfolgen, Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken und ihrer sozialen Isolation.
Auf sich allein gestellt
ist die Angst ihr ständiger Begleiter – Angst vor Gewalt und sexuellen Übergriffen, Hunger und Krankheit, dem Verlust von Angehörigen und einer ungewissen Zukunft.
Frauen verlassen ihre Heimat meist allein mit den Kindern und älteren Familienangehörigen, weil ihre Ehemänner, Väter oder Brüder getötet, gefangengenommen oder als Rebellen oder Soldaten eingezogen wurden. Unter schwierigsten Bedingungen sichern diese Frauen das Überleben ihrer Familien.
Täglich werden wir mit der verzweifelten Lage von Geflüchteten und ihren Schicksalen konfrontiert. Fast täglich kommen Menschen, Frauen, Kinder, Babys, unbegleitete Jugendliche, auf der Flucht ums Leben. Die erschreckenden Nachrichten über das Massensterben lassen sich kaum ertragen, ohne diese grausame Realität mehr oder weniger zu verdrängen – und damit auch gleich die Fluchtbedingungen und Fluchtursachen, die mit uns und der europäischen Politik mehr zu tun haben, als uns lieb sein kann.
Schon viel zu lange sind wir Zeugen einer der größten humanitären Katastrophen und einer der wohl größten politischen und moralischen Herausforderungen unserer Zeit: dem täglichen, massenhaften Tod von Flüchtlingen an Europas Grenzen. Wir richten an jede/n von uns, an alle Zivilgesellschaften und Politiker Europas die Frage: Wie viele denn noch? Wie viele Menschen müssen noch sterben, bevor wir uns zu einer mutigen, zukunftsweisenden europäischen Lösung entscheiden?
Monika Schütz-Madré
Stadtverordnete


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