Wohnen 2020

Antrag: Kempener Westen – Autofreies Wohnen in die Planung aufnehmen

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen stellt zur nächsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Planung und Klimaschutz am 23. September 2019 den folgenden Dringlichkeitsantrag:

Die Verwaltung wird beauftragt, den städtebaulichen Entwurf für das Wohngebiet „Kempener Westen“, der die Grundlage für das vorliegende Verkehrskonzept war, neu aufzusetzen und die Variante autofreies Wohnen in die Verkehrsplanung aufzunehmen. Hierbei sind auch Carsharing-Konzepte mit einzubeziehen.

Begründung:

 Die aktuell vorliegende, von dem Büro Planersocietät entwickelte Verkehrsplanung beruht auf einem ersten städtebaulichen Entwurf des Büros Pesch und Partner, Dortmund, der so nie im Ausschuss beschlossen worden ist. Dieses Büro hatte eigenen Angaben zufolge seinerzeit keinen Planungsauftrag für ein autofreies Wohnen.

Zum Zeitpunkt der Beauftragung mag eine solch eingeschränkte Planung üblich gewesen sein. Die letzten beiden Jahre haben jedoch gezeigt, wie schnell sich vermeintlich sicher scheinende Lebensverhältnisse ändern können. Die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Reaktionen auf die sich abzeichnenden Klimaveränderungen lassen kurz- bis mittelfristig deutliche Veränderungen, insbesondere auch des Mobilitätsverhaltens, erwarten.

Eine Planung mit und für Autos vor dem Haus verbraucht und verschenkt wertvolle Fläche, die besser für weiteren Wohnraum und eine Attraktivierung des Wohnviertels genutzt werden sollte. Überspitzt gesagt kann ein großer Parkplatz vor dem Wohnquartiert später, wenn keine individuellen Autos mehr fahren oder sie weniger werden, für Wohnraum genutzt werden. Wenn die Fläche zwischen den Häusern für Autos verbraucht ist, ist dies nicht mehr möglich. Sicherlich ist eine solche Planung auch ein Auftrag, den ÖPNV zu verbessern, aber das darf nicht dazu führen eine solche Planung gar nicht erst zu beginnen. Hier ist von der Politik Mut, Kreativität und die Bereitschaft, sich mit Visionen zu beschäftigen gefragt.

Das neue Baugebiet wird die Lebensbedingungen seiner Bewohner für die kommenden 80 – 100 Jahre prägen. Die zugrunde liegende städtebauliche Planung kann und darf den gegenwärtigen Status Quo daher nicht einfach fortschreiben. Es ist vielmehr auch in wirtschaftlicher Hinsicht erforderlich, dass unsere Planungen die notwendige Flexibiltät für sich abzeichnende Veränderungen beinhalten. Diese Erwartungshaltung kam ebenfalls in den Einwendungen verschiedener Bürger bei der öffentlichen Vorstellung des Verkehrskonzeptes zum Ausdruck.

Auch steht ein „Weiter so“ bei der Verkehrsplanung für den Kempener Westen in völligem Widerspruch zu dem aktuell entwickelten Radverkehrskonzept. Unsere Politik würde sich ad absurdum führen, wenn sie mit großem planerischem und zukünftig vermutlich auch baulichem Aufwand versucht, den Verkehr vom Auto weg aufs Fahrrad zu verlagern, hierfür sogar bislang durch Autoverkehr dominierte Räume umgestalten lässt und zugleich in einem Neubaugebiet wieder auf Automobilität „wie bisher“ setzt.

Kempen wird seine Attraktivität insbesondere für jüngere Menschen nur erhalten können, wenn es versteht, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden und für neue Entwicklungen offen bleibt. Eine veränderte Mobilität gehört in Zeiten der Klimaanpassung ohne Zweifel dazu.


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